Praxilorenvo Logo
Praxilorenvo

AMP gegen Responsive Design

AMP gegen Responsive Design
Eine regionale Nachrichtenseite aus Nordrhein-Westfalen setzte ab 2018 voll auf AMP. Google bevorzugte AMP-Seiten im mobilen Karussell, also schien es die logische Wahl. Fünf Jahre später, im Herbst 2023, entschied sich die Redaktion, AMP komplett zu entfernen.

Der Grund war nicht technischer Natur. AMP funktionierte, lud schnell und rankte gut. Aber die Einschränkungen nervten zunehmend. Werbeformate waren limitiert, interaktive Elemente kaum umsetzbar, das Design fühlte sich generisch an. Jede Änderung musste doppelt implementiert werden: einmal für AMP, einmal für die normale Seite.

Die Frage war: Würde die Performance ohne AMP einbrechen? Würden Rankings leiden? Das Team beschloss einen Test auf einer Unterseite mit lokalem Sport. Die AMP-Version wurde durch eine hochoptimierte responsive Seite ersetzt.

Der direkte Vergleich nach vier Wochen:

  • AMP-Version: Lighthouse Score 95, First Contentful Paint 0,8s, Total Blocking Time 0ms
  • Optimierte responsive Seite: Lighthouse Score 92, First Contentful Paint 1,1s, Total Blocking Time 45ms

Die Zahlen waren minimal schlechter, aber im nutzbaren Bereich. Rankings blieben stabil. Die Click-Through-Rate stieg sogar leicht, vermutlich weil die normalen Snippets ansprechender aussahen als die AMP-Blitze.

Wichtiger noch: Die responsive Version bot mehr Möglichkeiten. Interaktive Spielstände, eingebettete Videos, bessere Werbeintegration. Die Entwicklungszeit halbierte sich, weil nur noch eine Version gepflegt werden musste.

Das Team rollte die Änderung schrittweise aus. Erst lokale Artikel, dann überregionale News, zuletzt die Startseite. Überall das gleiche Bild: Performance blieb akzeptabel, Flexibilität stieg enorm. Nach sechs Monaten war AMP komplett verschwunden.

Wie wurde die responsive Version so schnell? Kritisches CSS inline, Rest asynchron. Bilder mit modernen Formaten und korrekten srcset-Attributen. JavaScript wurde analysiert und um 60% reduziert. Third-Party-Scripts bekamen Preconnect und DNS-Prefetch. Schriften wurden lokal gehostet statt von Google Fonts geladen.

Der Server wurde optimiert. Brotli-Kompression aktiviert, HTTP/2 Push für kritische Assets, Redis-Caching für Datenbankabfragen. CDN-Distribution über Cloudflare mit regionalem Edge-Caching.

Am Ende war die responsive Seite nur marginal langsamer als AMP, bot aber zehnmal mehr gestalterische Freiheit. Die Werbeeinnahmen stiegen um 23%, weil bessere Formate möglich wurden. Die Entwickler gewannen Zeit für neue Features statt für AMP-Wartung.

AMP kann in bestimmten Situationen Sinn machen, besonders wenn Entwicklerkapazität knapp ist. Aber wenn du bereit bist, in Performance-Optimierung zu investieren, kommst du mit einer guten responsive Seite genauso weit. Teste beide Ansätze realistisch. Miss echte Nutzererfahrung, nicht nur Labor-Scores. Entscheide dann basierend auf deinen Prioritäten.